| Richard Wagner, der Revolutionär |
|
In die Linie der Revolutionäre gegen das 19. Jahrhundert wird nun auch Richard Wagner gebracht durch ein kluges, aber nicht ganz leicht lesbares Buch von Karl Richard Ganzer ("Richard Wagner, der Revolutionär gegen das 19. Jahrhundert". 192 S. Gr-Okt., in Leinen RM. 5,—, kart. RM. 4,40. Verl. F. Bruckmann AS., München). Es folgt, wie schon der Titel zeigt, dem üblich gewordenen Brauch, 19. Jahrhundert zu sagen, wenn man das 18., nämlich die Gedankenwelt der Aufklärung und Französischen Revolution, meint — das 19. umschließt doch auch die großen Gegenstöße! Durch eine auch unabhängig von der besonderen Zielsetzung fruchtbare Analyse der Hauptschriften beweist Ganzer, daß es Wagner auf die Ersetzung des abstrakt-mechanischen Geistes durch eine natürliche, organische Ordnung ankam. Zugegeben wird, daß er dabei oft selbst in den Sprachschatz des Gegners verfiel; da er bald aus dem Tageskampf ausschied, so mag diese Hörigkeit nicht so verhängnisvoll auf seine eigene Haltung zurückgewirkt haben, wie es sonst oft in der Geschichte beobachtet wird. Sicher aber ist, daß er, von dem durch Ganzer herausgearbeiteten Ziel her gesehen, mit seiner Beteiligung am Maiaufstand in falscher Front focht: er suchte zum Überwinder des Zeitgeistes zu werden auf den Schultern derer, die recht eigentlich von ihm ergriffen waren. Quelle: Weiße Blätter, Ausgabe Februar 1936 |