Weisheit des Geschichtsschreibers

Wovon sonst geht überhaupt alles aus, was echtes Leben hat, als von der moralischen Energie, die, ihres Selbst gewiß, entweder die Welt in freier Tätigkeit zu durchdringen trachtet oder den feindlichen Kräften wenigstens einen unüberwindlichen Widerstand entgegenstellt.

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Ein großes Volk sowie ein selbständiger Staat wird nicht allein daran erkannt, daß es seine Feinde von den Grenzen abzuwehren wisse. Die Bedingung seiner Existenz ist, daß es dem menschlichen Geiste einen neuen Ausdruck erschaffe, ihn in eigenen neuen Formen ausspreche und ihn neu offenbare. Das ist sein Auftrag von Gott.

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Wie wäre es möglich, daß jemals eine großartige Stellung erwoben würde ohne freiwilliges und vollkommenes Zusammenschließen aller Glieder! Durch die geheime Wirksamkeit zusammengehaltener Ideen bilden sich allmählich die großen Gemeinschaften. Glücklich, wenn einer den Genius hat, sie zu leiten. Die Kraft, sie zu zwingen, würde er niemals besitzen.

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Macht an sich tut es nicht; sie ist ein Instrument, bei dem es erst darauf ankommt, wozu man es braucht, ob man es überhaupt zu brauchen versteht.

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Aus den Extremen wirst du nicht auf die Wahrheit schließen können. Die Wahrheit liegt überhaupt außer dem Bereich des Irrtums. Aus allen Gestalten des Irrums zusammengenommen, könntest du sie nicht abstrahieren: sie will gefunden sein, angeschaut, an und für sich, in ihrem eigenen Kreise. Aus allen Ketzereien der Welt könntest Du nicht entnehmen, was das Christentum ist; du mußt das Evangelium lesen, um es kennenzulernen.

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Nicht dort ist unser Vaterland, wo es uns endlich einmal wohlergeht. Unser Vaterland ist vielmehr mit uns, in uns. Deutschland lebt in uns; wir stellen es dar, mögen wir wollen oder nicht, in jedem Land, dahin wir uns verfügen, unter jeder Zone. Wir beruhen darauf von Anfang an und können uns nicht emanzipieren. Dieses geheime Etwas, das den Geringsten erfüllt wie den Vornehmsten, diese geistige Luft, die wir ein- und ausatmen, geht aller Verfassung voran, belebt und erfüllt alle ihre Formen.

(Elisabeth Schwenzel: Gedanken von Ranke)

Quelle: Weiße Blätter, Ausgabe Mai/Juni/Juli 1942

   
 
 
 
 
 
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