Buchbesprechung: Das Königtum im alten Mesopotamien. Von Kaiser Wilhem II.

Buchbesprechung: Das Königtum im alten Mesopotamien. Von Kaiser Wilhem II. Verlag Walter de Grunter & Co., Berlin. Preis 2.40 RM

In den letzten Jahren hat Kaiser Wilhlem II. einige Schriften veröffentlicht, die sich mit der Geschichte und Kultur des alten Vorderasien und seiner Nachbarländer beschäftigen. Seine neueste Arbeit fußt, wie der Verfasser selbst einleitend sagt, auf diesen früheren Arbeiten, sowie auf denen des Geheimrates Leo Frobenius.

In dem Land der beiden Ströme Euphrat und Tigris wechselten im Laufe der letzten 4000 Jahre v. Chr. mehrere Völker und ihre Könige in der Herrschaft ab. Das älteste uns bekannte Volk, das die Grundlagen der Stadtkulturen Mesopotamiens schuf, waren die Sumerer. Uruk, eine der wichtigsten ihrer Städte, wird seit Jahren von deutschen Forschern untersucht und ausgegraben. Auf die Sumerer folgten die Semiten, die die Kultur der Unterworfenen übernahmen und abwandelten. Nach einigen Jahrhunderten kamen wieder sumerische Fürsten an die Herrschaft. Eine zweite semitische Welle spg die Sumerer völlig auf und nun wurde Babylon, etwa um 2000 v. Chr. der Mittelpunkt der sich neubildenden Macht der Amoriter. Ihr großer König Hammurabi gilt bekanntlich als einer der größten Gesetzgeber der Geschichte. Auf ihn geht denn auch Kaiser Wilhelm II. besonders ausführlich ein.

Von etwa 1800 v. Chr. an drangen die arisch-iranischen Indogermanen mit mehreren Völkerwellen in die vorderasiatischen Länder ein. Sie waren durch ihre mit Pferden bespannten Streitwagen den alten Völkern des Zweistromlandes militärisch weit überlegen. Die Kossäer eroberten Babylon und herrschten dort rund 500 Jahre. Von den anderen Indogermanenstämmen sind besonders die Hethiter bekanntgeworden. Vom 13. Jahrhundert v. Chr. an konnten dann die Könige von Assur für ein halbes Jahrhundert Vorderasien beherrschen. Mit ihnen schließt der Verfasser seine Betrachtungen im wesentlichen ab.

Aber nicht nur die politische Geschichte, sondern in noch stärkerem Maße die innere Entwicklung, besonders die geistig-religiöse, soweit sie die Könige betrifft, hat Kaiser Wilhelm II. zum Gegenstand seiner Arbeit gemacht. Je nach Wesensart der verschiedenen Völker wechselte die religiöse Stellung des Herrschers. Bei den Altsumerern ist er zunächst der "kleine Gott", der Sohn Gottes auf Erden und gleichzeitig der Verkündiger, also der Oberpriester. Später werden die Könige Vollgötter und überlassen das Amt des Hohen Priesters einem anderen. Auch die Semiten vergöttlichten ihre Herrscher. Sie übernehmen in dieser Beziehung die schon vorhandenen Glaubenssätze. Hammurabi freilich lehnte als Fürst eines "Zeitalters der Aufklärung" und als Realpolitiker eine Vergöttlichung ab. Die Indogermanenfürsten haben erst recht keinen Anspruch auf Göttlichkeit oder Gottähnlichkeit erhoben, und auch die assyrischen Herrscher nach ihnen bezeichnen sich nur als "Günstling der großen Götter" oder als "Liebling des Gottes Assur".

Neben dieser verschiedenartigen, religiösen Stellung der Könige in Mesopotamien und z.T. mit ihren unmittelbar zusammenhängend, stellt Kaiser Wilhelm II. ein bald stärkeres, bald geringeres Streben nach Universalität und Totalität fest. Als Gegenkraft wirkte das Prinzip er Dualität und Polarität. Der Verfasser ist der naheliegenden Versuchung, aus diesen beiden Kräften ein geschlossenes historisches Schema zu machen, nicht erlegen. Dafür gibt er aber manche geschichtlichen Ausblicke auf das Mittelalter und die neuere Zeit, sowie auf seine eigenen Vorfahren, die Hohenzollern. Das nur 46 Seiten starke lesenswerte Werk ist mit einer Anzahl guter Bilder und einer Karte ausgestattet.

Kurt Pastenaci

Quelle: Weiße Blätter, Ausgabe Dezember 1938

   
 
 
 
 
 
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